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Prozessarbeit – die Kunst, Ganzheit zu begegnenPhänomenologisch orientierte ProzessarbeitEine achtsame Begleitung und Unterstützung von lebendigen Entfaltungs- und Heilungsprozessen ist aus heutigen Therapieansätzen zum Glück fast nicht mehr wegzudenken. Die Erfahrung eines ganzen Jahrhunderts hat uns gelehrt, dass Therapie nicht wirklich heilend ist, wenn sie nur zielorientiert ist, auf Lösungen hetzt oder lediglich eine Technik anwendet, jedoch nicht offen ist, den Geschichten des Lebens in einer wohlwollenden Haltung zuzuhören. Es sind aber gerade diese Geschichten des Lebens, die aus den verschiedenen Schichten unseres Daseins Kunde bringen: aus der körperlichen, seelischen, geistigen Schicht und derjenigen unseres tiefsten Wesenskerns. Die Kunst der EmpfänglichkeitProzessarbeit bedeutet die Kunst, diesen Geschichten zuzuhören, sie mit allen Sinnen wahrzunehmen, ihnen Zeit und Raum zu geben, sich zu entfalten und unbeschrittene Wege der Erfahrung zu finden. Diese Kunst bedarf der ganzen Person und bedarf vor allem ihrer Empfänglichkeit. Prozessarbeit bedeutet, empfänglich zu sein für die Lebendigkeit des anderen. Durch die Geschichte der Akademie ist eine ganz typische Art der Schulung von Empfänglichkeit und Wahrnehmung gewachsen, die auf der Haltung der Phänomenologie aufbaut. Dasein ist Mitsein„Dasein ist Mitsein“ – ein schönes Wort von Martin Heidegger, das die menschliche Grundhaltung der Phänomenologie ganz deutlich ausdrückt. Edmund Husserl, der Lehrer von Heidegger und Begründer der modernen Phänomenologie, öffnete Türen zur Überwindung der neuzeitlichen Trennung von Subjekt und Objekt. Welt und Mensch sollen nicht mehr wie bei Kant als distanzierte Objekte erkannt und dann in Kategorien gesperrt werden, denn diese Annährung wird weder der Welt noch dem Menschen gerecht. Wesens-Wahrnehmung ist nur dann wirklich möglich, wenn wir uns frei machen von Vorstellungen über die Objekte und in den „Erlebnisstrom“ selber eintauchen. Welt und Mensch sind dann keine Objekte mehr, sondern Mitseiende, und wir sind Mitseiende für sie. Begegnung mit der GültigkeitDiese Kunst des Mitseins - eine Kunst der Empfänglichkeit und wachen, authentischen Präsenz – ist die Mitte der Ausbildung in phänomenologisch orientierter Prozessarbeit: Freilegung der WahrnehmungDie Reflexion und Klärung der eigenen Vorstellungen über das, was sein soll, schafft Freiraum für das, was ist. In Meditation, Selbstbetrachtung und Austausch werden wir uns unserer Denkmuster gewahr und machen unseren inneren Raum frei für eine wirklich gastfreundliche Empfänglichkeit. Öffnung der Sprache für den Reichtum des SeinsDie Entdeckung einer Sprache, die das Wahrgenommene und Empfangene nicht im Gewussten gefangen hält, sondern sein Wesen in bildhafter Vielfalt auszudrücken vermag, erlaubt uns die Orientierung in dem neuen Freiraum. Durch Mythen und überlieferte Ordnungen der Wirklichkeit aus östlichen und westlichen Traditionen und Anschauungen der modernen humanistischen Ansätze verbinden wir uns mit einer transpersonalen Weisheit, die dann wieder in ganz persönlichen und oft sehr poetischen Bildern Ausdruck findet. Gültigkeit der PräsenzDie Erfahrung der Gültigkeit der eigenen Präsenz eröffnet uns das Wunder der Begegnung und die Wertschätzung der Gültigkeit im anderen. Wahre Erkenntnis und wahre Heilung erfahren wir nur aus der Begegnung. Sie ist der Brunnen der Einsicht, Versöhnung und Liebe. Begegnung und Präsenz kann man nicht eigentlich lernen oder üben – aber indem wir sie immer wieder wagen, reifen sie in uns heran als unser eigentlicher menschlicher und therapeutischer Schatz. Das grösste HeilmittelAuf diesem Weg – fern jeden Leistungszwanges, im gemeinsamen Staunen und Erforschen – wächst in uns ein immer tieferes Verständnis für lebendige Prozesse, die menschliche Geschichten erzählen und in ihrem Gehört- und Begegnetsein das grösste Heilmittel sind, das es gibt. Auf diesem Weg, der nie wirklich endet, eröffnet sich der lebendige Prozess in immer hellerer Klarheit und darf doch ein Geheimnis bleiben. Akademie für ganzheitliche Heilkunst, Luftgässlein 1, 4051 Basel
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